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Darf man Songparodien machen?


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Darf man Songparodien machen?


Auch wenn ich kein Jurist bin, beschäftige ich mich aus persönlichem Interesse seit vielen Jahren mit Musikvideo Parodien auf Youtube. Habe dafür auch eine eigene Internetseite geschaffen und denke, dass ich ein wenig in der Materie drin stecke.

Meine Wall-of-Text Ausführungen beziehen sich auf die Lage in Deutschland. Das US-amerikanische fair-use Recht ist wesentlich unkomplizierter, für uns in Deutschland aber nicht anwendbar. Unabhängig, ob ein Lied in Deutschland vermarktet wird oder nicht, unterliegt das Lied in Deutschland auch immer dem Schutz des deutschen Urheberrechts.

Unerheblich ist dabei auch die Tatsache, dass z.B. Psy laut The Guardian auf das Urheberrecht für Gangnam Style verzichtet. Solange Psy von der GEMA vertreten wird, gelten für seine Lieder in Deutschland nach wie vor die selben Regelungen.

Egal ob kommerziell, gemeinnützig oder kostenlos: Der Urheber eines Liedes muss einer Verwertung seines Liedes zustimmen. Sofern der Urheber von der GEMA vertreten wird, so reicht es, wenn man ebenfalls Mitglied der GEMA wird und dort die Gebühren bezahlt. Will man ein Lied nicht nur covern, sondern bearbeiten und umgestalten, so braucht man die (schriftliche) Zustimmung des Urhebers.

§24 UrhG

(1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.”

Der Gesetzgeber hat in §24 UrhG explizit eine Lücke geschaffen, um eine Zensur durch den Urheber zu verhindern. Es wird davon ausgegangen, dass der Urheber einer Parodie seines Werkes nicht zustimmen würde und dies mit dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung kollidieren würde.

Aus diesem Grund sind die Plattenfirmen und die GEMA auf Youtube auch sehr vorsichtig, wenn es um das Sperren von Parodien geht. Im Gegensatz zu anderen Urheberrechtsverstößen können diese Verfahren problemlos bis vor das Bundesverfassungsgericht eskaliert werden.

Mir ist bisher nur ein einziger Fall untergekommen, wo eine Musik Parodie auf Youtube von der GEMA bzw. auf Veranlassung des ursprünglichen Urheber (namentlich Stefan Raab) gesperrt wurde. Das war Schland-O-Schland von Uwulena als Parodie auf Satellite von Lena Meyer-Landrut.

Genauso schnell, wie das Video auf Youtube verschwunden war, haben sich Uwulena und Stefan Raab auch geeinigt. Dies führte wie wir vermutlich alle wissen zu der professionellen Vermarktung des Liedes. Was da im Hintergrund genau lief weiß natürlich keiner, aber es ist davon auszugehen, dass beide Seiten sich über den Sonderstatus von Parodien bewusst waren. Eine gerichtliche Eskalation wäre durchaus interessant gewesen.

Das schwierige an dem ganzen Thema ist die Entscheidung, was eine Parodie / Freie Benutzung ist. Im Zweifelsfall liegt die Entscheidung, ob ein Werk die notwendige Schöpfungshöhe erreicht hat, um als selbstständiges Werk zu gelten, bei den Richtern.

Grundlegend würde ich für Youtube zwei Fälle unterscheiden:

Zunächst einmal der Fall, wo einfach das Videomaterial durch eigenes Material ausgetauscht wird, aber die ursprüngliche Tonspur erhalten bleibt. Hierbei müssen die Videobilder die Parodie auf das Orginalvideo darstellen. Das fällt bei Liedern wie “Gangnam Style” von Psy recht einfach, da das Video selbst schon sehr unernst ist und sich leicht auf die Schippe nehmen lässt. Schwieriger wird das bei Liedern mit ernsten Videos. Als Parodie reicht es i.d.R. nicht, Menschen zu dem Lied tanzen zu lassen. Auch ein Flashmob stellt keine Parodie da. Avatare aus Computerspielen zu dem Lied tanzen zu lassen, könnte auch problematisch sein und ggf. nicht als Parodie durchgehen.

Der zweite Fall gestaltet sich dagegen einfacher: Zusätzlich zu dem Videomaterial wird auch der Songtext durch eigenen Text ersetzt. In diesem Fall muss die Kombination aus neuem Text und Videobildern die Parodien darstellen. Grundlegend ist diesem Fall erstmal schwerer der Status als Parodie abzuerkennen, als in erstem Fall. Allerdings ist der Übergang von Parodie (ohne Genehmigung gestattet) zu Neuinterpretation (nur mit Genehmigung gestattet) nahtlos. Wenn man zusätzlich zu dem Lied noch ein zweites Thema parodisiert, macht man es sich im Zweifel einfacher als Parodie anerkannt zu werden. Beispiele hierfür wären Gandalf Style als Parodie auf Gangnam Style vom Psy in Kombination als Parodie auf Herr der Ringe.

Pauschal kann man also leider nicht sagen, dass es erlaubt ist oder dass es verboten ist. Grundlegend lässt sich aber feststellen, dass auf Youtube sehr viele Musikvideo Parodien verfügbar sind, welche bisher nicht von der GEMA oder den Plattenfirmen gesperrt worden sind.

Dies lässt sich nur schwer mit der Unfähigkeit der Erkennungssoftware begründen. Für meine Internetseite, wo ich Musikvideo Parodien aufliste, nutze ich selbst Erkennungssoftware, um das ursprünglich Lied zu ermitteln. In geschätzt mehr als 90% der Fälle liefert mir die Software den entsprechenden Orginalsong. Es dürfte für die GEMA und die Plattenfirmen also sehr einfach sein solche Parodien zu finden und zu sperren. Sie tun es i.d.R. aber nicht. Vermutlich, weil sie sich nicht sicher sind, ob eine Sperrung vor deutschen Gerichten Bestand hätte.

Wer ohne kommerziellen Hintergedanken Musikvideo Parodien machen und auf Youtube online stellen möchte, sollte dies meiner persönlichen Einschätzung nach machen. Sollte es tatsächlich zu einer Sperrung kommen, so würde ich Widerspruch bei Youtube und dem Antragsteller einlegen und mich auf §24 UrhG in Verbindung mit Artikel 5 GG berufen. Dadurch signalisiert man, dass man bereit ist das ganze juristisch eskalieren zu lassen. Wer weiß, vielleicht lenken sie dann von selbst ein. Probieren geht bekanntlich über Studieren.



Darf man Songparodien machen?